Diese Anthologie versammelt Porträts jener historischen Frauen, die unter dem schillernden und zugleich problematischen Signum der "femme fatale" überliefert wurden. Biographische Skizze, kulturhistorischer Essay, literarische Charakterstudie und erzählerische Rekonstruktion treten dabei in einen produktiven Austausch. Von antiken und höfischen Machtkonstellationen bis zu modernen Bildern weiblicher Verführung, politischer Klugheit und gesellschaftlicher Grenzüberschreitung entfalten die Beiträge ein Panorama, das Mythos und Geschichte kritisch ineinanderblendet. Die versammelten Autoren – Gertrude Aretz, Stefan Zweig, Enrique Gómez Carrillol, Emil Ludwig, Ferdinand Gregorovius, Franz Hessel, George Sand und Alexandre Dumas – stehen für unterschiedliche nationale Traditionen und Schreibweisen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Texte verbinden historiographisches Interesse mit psychologischer Beobachtung und literarischer Gestaltungskraft. Gemeinsam machen sie sichtbar, wie weibliche Figuren zu Projektionsflächen für Moralvorstellungen, politische Konflikte und Geschlechterbilder ihrer jeweiligen Epochen wurden. Der Band empfiehlt sich als anregende Lektüre für alle, die historische Biographie, europäische Literaturgeschichte und die Wandlungen kultureller Weiblichkeitsbilder erkunden möchten. Er eröffnet die seltene Gelegenheit, konkurrierende Deutungen in einem einzigen Buch zu vergleichen und den Dialog zwischen Faktentreue, Legendenbildung und ästhetischer Imagination nachzuvollziehen.